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Collini will in Russland weiter expandieren (14.03.2011 Vorarlberg Industrie)

14.03.2011 Collini will in Russland weiter expandieren

Der Oberflächenveredler plant neben dem Werk in Nizhny Novgorod in den nächsten drei Jahren ein bis zwei weitere Produktionsstätten - Automobilbranche als Triebfeder

Hohenems / Nizhny Novgorod (Wirtschaftspresseagentur.com)

Der Oberflächenveredler Collini mit Stammsitz in Hohenems ist seit Herbst 2008 mit einem eigenen Galvanik-Standort in Nizhny Novgorod in Russland tätig. Jetzt beabsichtigt Collini die Inbetriebnahme von ein bis zwei zusätzlichen Standorten innerhalb der kommenden drei Jahre. Binnen fünf Jahren will Collini in Russland schließlich über mindestens vier eigene Werke verfügen. Das erklärte Johannes Lusser, der für das Russland-Geschäft zuständige Vorstand der Collini Holding AG, im Gespräch mit der Wirtschaftspresseagentur.com.

 

Vier Boom-Regionen in Russland

„Wir möchten Standorte in allen wichtigen Boom-Regionen Russlands westlich des Urals haben“, so Lusser. Aktuell laufe die Suche nach geeigneten Standorten in der Region Togliatti-Samara (1.000 Kilometer südöstlich von Moskau), im Großraum Moskau-Kaluga und in der Region rund um St. Petersburg. Dabei wolle man wie auch in Nizhny Novgorod kein neues Gebäude auf die grüne Wiese stellen (Green Field Investment), sondern bestehende Industriekomplexe nutzen (Brown Field Investment). „Ein Projekt auf der grünen Wiese zieht sich in Russland viel zu lange hin“, so Lusser. Denn Russland habe in vielen Bereichen teils deutlich schärfere Bau- und Sicherheitsvorschriften sowie Auflagen und Bewilligungsverfahren wie die EU-Länder. Abgesehen davon müsse man als Korruptionsverweigerer mit noch längeren Laufzeiten rechnen. „Wir haben bislang kein Schmiergeld bezahlt. Das kürzt die Verfahren nicht unbedingt ab."

 

Produktionshallen von GAZ angemietet

Am bestehenden Standort in Nizhny Novgorod habe Collini vom russischen Automobilkonzern GAZ deshalb vorhandene Produktionsstätten im Umfang von 60.000 Quadratmeter gemietet und zwölf Millionen Euro in Produktionsanlagen sowie Anlagen zur Wasser- und Abwasseraufbereitung investiert. Betrieben werden dort zum einen alte Galvanik-Anlagen, mit denen bestimmte Bereiche der (alten) russischen Industrie bedient werden. Mit den neuen Anlagen würden zum anderen jüngere und technologisch weiterentwickelte Kunden in Russland bedient werden gleich wie westliche Konzerne, die in der Region ihre Standorte haben. „Wir haben mit GAZ eine Inhouse-Lösung für die gesamte Galvanik umgesetzt. Wir arbeiten aber auch für Dritte“, so Lusser. Der bestehende Russland-Standort sei gleich wie die zukünftigen Niederlassungen nur für den russischen Markt bestimmt. Aktuell werde in Nizhny Novgorod mit 320 Mitarbeitern (mehrheitlich Frauen) ein Umsatz in „gut zweistelliger Millionen-Euro-Höhe“ erzielt.

 

Westliche Kfz-Hersteller müssen zukünftig in Russland produzieren

Die Expansionsvorhaben von Collini hängen nach Angaben von Lusser damit zusammen, dass die russische Regierung westliche Konzerne vermehrt dazu zwinge, einen Teil der in Russland verkauften Produkte im Inland herzustellen. Das gelte insbesondere für westliche Automobilhersteller und damit auch für deren Zulieferer. Ab 2012 gelte eine Regelung, wonach Kfz-Hersteller, die nicht mindestens 300.000 Fahrzeuge pro Jahr in Russland produzieren, mit hohen Importzöllen belegt werden. „Die Hersteller sind also gezwungen, eine gewisse Anzahl ihrer Fahrzeuge in Russland an eigenen Standorten zu fertigen. Weil Collini aktuell der einzige westliche Galvanik-Anbieter in Russland mit dem notwendigen Know-how ist, erwarten wir uns insbesondere im Automobilmarkt ein entsprechendes Wachstumspotenzial. Immerhin hat ein Auto bis zu 7.000 galvanisierte Bestandteile“, so Lusser. Aktuell liege der Kfz-Anteil von Collini im Werk in Russland bei 60 Prozent, Tendenz stark steigend.

Die Revitalisierung der russischen Industrie erfolge auf jeden Fall über die Automobilindustrie. Abgesehen von den Kfz-Herstellern seien aber auch viele andere westliche Konzerne in den genannten Boom-Regionen tätig oder würden in den kommenden Jahren eine Ansiedlung planen. „Diese Unternehmen sind oftmals potenzielle oder bestehende Kunden“, sagte der Collini-Vorstand. Dazu gehöre unter anderem der deutsche Fenster- und Türenbeschlägehersteller Roto.

 

Russland ist kein Billiglohnland - hoher Eigenbedarf zu angemessenen Preisen

Lusser erklärte in Zusammenhang mit den geplanten Standorten in Russland, dass dieses Land kein Billiglohnland sei. „Die Russen wollen Qualität, zahlen angemessene Preise und verfügen über einen hohen Eigenbedarf im Inland.“ Um in Russland mit einem eigenen Standort erfolgreich zu sein, dürfe man Russinnen und Russen nicht zur Assimilation an westeuropäische Gepflogenheiten zwingen, sondern müsse auf Integration setzen. „Diese Menschen sind universell gebildet, die Allgemeinbildung und das Interesse an Musik und Literatur sind hoch. Wir haben in unserem Werk 50 Technologinnen, die über einen Diplom-Abschluss verfügen. Wir Westeuropäer sind also nicht die Einzigen, die wissen, worauf es ankommt“, sagte Lusser. Allein mit dem Geld seien schon mehrere westliche Großkonzerne in – und nicht nur in - Russland gescheitert. Man müsse die Menschen für sich gewinnen, das sei mindestens so wichtig wie das Finanzielle.

 

Viele hoch qualifizierte Techniker

Gerade an den russischen Universitäten gebe es viele hoch qualifizierte Technologen beziehungsweise Elektrochemiker, die sich im Bereich Galvanik sehr gut auskennen würden. Demgegenüber gebe es an österreichischen Universitäten kaum noch Studenten aus diesen Fachrichtungen. Aktuell arbeite Collini deshalb an der Umsetzung eines Konzeptes, nach dem russische Studenten eine Dissertation an einer österreichischen Universität verfassen können. Dadurch würden die Studenten Deutsch lernen und Collini sorge so für einen entsprechenden Facharbeiter-Nachwuchs auf internationaler Ebene. (gübi)

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