13.01.2009 "...wir lernen ein Leben lang..." - Bildungsaktivitäten im Unternehmen Collini
Genau jene Leistung zu bringen, die der Geschäftspartner braucht, verlangt den Mitarbeitenden in einem Unternehmen viel ab. Deshalb hat der Oberflächenveredler Collini vor 7 Jahren die Collini Akademie ins Leben gerufen. Die 1.400 Mitarbeitenden an 12 Produktionsstandorten in Österreich, Schweiz, Deutschland, Rumänien und Russland nützen die Angebote der Collini Akademie.
"Unsere Akademie ist eine "virtuelle Akademie", nicht an einen festen Ort gebunden und sie passt sich flexibel an die Anforderungen an", erklärt die Leiterin Frau Susanne
Mohr.
Folgende Kernziele wurden mit der Gründung der Collini Akademie verfolgt:
Ausrichtung auf die Ziele der Gruppe
Die interne Qualifizierung der Mitarbeitenden und Führungskräfte richtet sich aus auf die Ziele und die Strategie des Unternehmens. Die entsprechenden Maßnahmen fördern die unternehmerische Flexibilität, die Innovations- und Anpassungsfähigkeit.
Aufwertung von Mitarbeitenden und Lernen
Engagierte und motivierte Nachwuchskräfte werden in der Collini Akademie zu hoch qualifizierten Fach- und Führungskräften ausgebildet. Die Collini Akademie führt zu einer Aufwertung des innerbetrieblichen Lernens und erhöht die Effizienz der Weiterbildungsaktivitäten.
Mehrwert schaffen
Die Maßnahmen schaffen für den einzelnen Mitarbeitenden, den Kunden und die Unternehmensprozesse einen Mehrwert und wirken sich auf das Finanzergebnis positiv aus.
Standorte vernetzen
Die Collini- Akademie initiiert eine stärkere Vernetzung der Standorte und fördert damit die Identität.
Die Collini Akademie deckt folgende drei wesentliche Bereiche ab:
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Fachkompetenz |
Qualitätsmanagement und unternehmerisches Handeln |
Persönlichkeits- und Führungskompetenz |
Zusammen mit internen und externen Trainern stellt die Collini Akademie maßgeschneiderte Seminare und Schulungen je nach Bedarf zusammen. Neben fixen jährlich stattfindenden Seminaren ergeben sich immer wieder neue "aktuelle" Themen.
Die Collini Akademie "lebt" vom aktiven Interesse und der Beteiligung an den einzelnen Veranstaltungen. In den letzten 7 Jahren nahmen fast 1.000 Mitarbeitende an Weiterbildungsaktivitäten der Collini Akademie teil. Jährlich werden ca. 400 Teilnehmer durch die Akademie betreut.
Ergänzend zu den Aktivitäten der Collini Akademie kümmern sich die einzelnen Standorte auch selbständig um individuelle Schulungsmaßnahmen. Denn für manche Mitarbeitende und Führungspersonen ergeben sich spezielle Weiterbildungswünsche, die mit intern konzipierten Veranstaltungen nicht abgedeckt werden können. In diesen Fällen arbeitet Collini mit externen Bildungseinrichtungen zusammen, um individuell auf die jeweilige Person eingehen zu können.
Werner Fischlmayer hatte so einen individuellen Weiterbildungswunsch, den MBA (Master of Advanced Buisiness Studies) zu machen. In einer mehrjährigen Ausbildung hat er sich diesen
Titel mit Auszeichnung erarbeitet. Wie viel Arbeit dahintersteckt und inwieweit er Unterstützung seitens der Firma fand, erzählt er in einem Interview:
Herr Fischlmayer, wodurch kamen Sie auf die Idee neben ihrem - doch sehr zeitintensiven Job als Geschäftsführer der Standorte Marchtrenk und St. Pantaleon - eine solch
umfassende Ausbildung in Erwägung zu ziehen?
Ich bin Techniker und habe im beruflichen Alltag festgestellt, dass mein betriebstechnischer bzw. kaufmännischer Hintergrund nicht immer ausgereicht hat, um qualitativ mitreden zu können. Deshalb war für mich klar, dass ich dieses Manko beheben und parallel dazu mein allgemeines Managementwissen in den unterschiedlichsten Bereichen verbreitern wollte. In einer Führungsposition sollte man ein möglichst breites Grundwissen haben, die Spezialisten gehen dann in die Tiefe. Zweitens wollte ich es mir selbst beweisen. Nachdem meine Schulzeit auch schon einige Jahre vorbei ist, war es eine echte Herausforderung Lernen wieder zu lernen. Und schlussendlich habe ich mir die Frage gestellt, ob eine Vielzahl von Einzelkursen oder ein vollwertiger akademischer Abschluss erstrebenswert ist - die Antwort ist bekannt.
Was genau kann ich mir unter dem MBA vorstellen?
Mit dem Universitätsstudiengesetz 1999 hat sich auch Österreich dem in der EU gängigen 3 stufigen Studiensystem, angeschlossen. Der erste Studienabschnitt endet mit dem Bakkalaureat, danach folgt das Diplom- oder Masterstudium und zu guter letzt das Doktorat. In den letzten Jahren sind eine Vielzahl von MBA Programmen unterschiedlichster Anbieter am Bildungsmarkt aufgetaucht. Mir war wichtig, dass eine österreichische Universität dahinter steht, um eine Differenzierung zu anderen Anbietern sicherzustellen. Die Uni Klagenfurt hat für mich das schlüssigste Produkt angeboten. Ein MBA Studium (Master of Business Administration) dauert 3 Jahre und beinhaltet eine ganze Palette unterschiedlichster Gegenstände. Das reicht von soft facts wie Wissensmanagement, Change Management, Strategischer Planung, Human Ressource, usw. bis zu den hard fact-Gegenständen wie Kosten- und Finanzmanagement, Bilanzanalyse, internationale Rechnungslegung, Rechtsthemen usw. Ziel ist betriebswirtschaftliche Generalisten auszubilden, die neben den Arbeitsinstrumenten zur Unternehmensführung auch Sozialkompetenz erlangen. Nachdem dieser MBA für General Management international anerkannt ist, musste eine Englischprüfung und ein einwöchiger Aufenthalt an der Westminster University in London absolviert werden. Pro Semester gibt es 5 schriftliche Prüfungen, es ist eine Semesterarbeit und im letzten Semester eine Masterthesis zu verfassen, den Abschluss bildet eine mündliche kommissionelle Prüfung.
Inwieweit hat Sie die Firma Collini bei ihrem Vorhaben unterstützt? (Arbeitszeit, Finanzen)
Das Unternehmen hat mich sowohl finanziell als auch zeitlich sehr unterstützt, sodass ich die Möglichkeit hatte, alle Blockseminare zu besuchen. Mein persönliches Ziel war aber auch, dass meine Ausbildung ?geräuschlos?, also ohne Beeinträchtigung des Tagesgeschäftes, ablaufen sollte. Grundvoraussetzung dafür waren meine Mitarbeitenden, auf die ich mich verlassen konnte. An dieser Stelle möchte ich allen nochmals danken.
Wie zeitintensiv war ihre Ausbildung?
Die Blockseminare dauerten jeweils von Donnerstag Mittag bis Samstag Abend, wobei zwischen Klagenfurt, Linz und Mödling gewechselt wurde, um die Anreisestrapazen, unter den österreichweit verstreuten Teilnehmern, auszugleichen. Im Schnitt waren es beinahe 2 derartige Blöcke pro Monat. Die Abende waren nur teilweise zur freien Verfügung. Kamingespräche mit Führungskräften aus Wirtschaft und Banken, Diskussionsrunden oder Gruppenarbeiten ließen keine Langeweile aufkommen - trotzdem kamen Spaß und Geselligkeit nie zu kurz. Damit beschränkt sich das Wochenende auf Sonntag, welcher in den Zeiten der Prüfungsvorbereitungen zum Lernen genutzt wurde. Wichtig ist eine gute Planung, um alle beruflichen, privaten und universitären Angelegenheiten unter einen Hut zu bekommen.
Welche Tips können Sie anderen Interessierten geben?
Grundvoraussetzung ist, dass es einem selbst, aber auch dem Partner und der Familie klar ist, dass sich die verfügbare Freizeit auf ein Minimum reduziert. Es wäre mühsam, wenn man ständig auch noch private Unstimmigkeiten ausgleichen müsste. Es geht aber auch schnell, dass Bekanntschaften und Freundschaften abflauen, weil man ja ohnedies nie Zeit für gemeinsame Aktivitäten findet. Man sollte auch dafür ein Gespür entwickeln, das zu erkennen und gegenzusteuern. Wichtig erscheint mir Termine einzuhalten und Prüfungen gleich bei der ersten Möglichkeit zu absolvieren. Im letzten Semester kommt sonst derart viel zusammen, wodurch einige Kollegen ordentlich ins Trudeln geraten sind.
Inwieweit haben Sie von der Ausbildung profitiert? (als Person generell, auf den Job bezogen)
Man reift mit jeder Form der Wissenserweiterung. Die Kombination Fachwissen und Sozialkompetenz empfand ich als persönliche Bereicherung, besonders in Bereichen, die nicht zur täglichen Arbeit gehören, wie zB. Rechtsthemen. Spannend ist, Neues aus dem Studium und Altbewährtes mit dem eigenen Arbeitsumfeld abzugleichen und dadurch neue Ideen und Lösungsansätze zu finden. Nicht vergessen darf man auf die vielen Kontakte zu anderen Studenten, zu Vortragenden und Professoren, die man knüpft und auch die eine oder andere Freundschaft, die entstanden ist.
Würden Sie die Anstrengung noch mal auf sich nehmen?
Unmittelbar nach der Prüfung waren alle froh, dass es endlich vorbei war. Jetzt, nach einigen Monaten, würde ich es wieder machen - und zwar genauso.
Vielen Dank für das Interview.



